SOZIALE PROBLEME

Portrait

Der Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie (SGS) hat im Frühjahr 2002 auf Antrag von Angehörigen aus sechs Universitäten (UNIZH, UNIFR, UNIBAS, UNISG, UNIGE, UNIBE) und von fünf Fachhochschulen (FHSO, FHSG, FHLU, EESP, HSSAZ), die Gründung des Forschungskomitees „Soziale Probleme“ beschlossen. Das Forschungskomitee fördert die Vernetzung der soziologischen Forschung an den Universitäten, den Fachhochschulen und in den freien Büros. Es ist eine Austausch- und Entwicklungsplattform für all jene, die zu sozialen und sozialpolitischen Fragen in der Schweiz forschen.

Aktuell

Workshop des Forschungskomitees „Soziale Probleme“ der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie (SGS), 11. September 2020, Fribourg

Das Forschungskomitee „Soziale Probleme“ der SGS organisiert einen Workshop für Nachwuchsforschende, die sich mit Fragestellungen zur Sozialpolitik, zur Konstruktion sozialer Probleme, zu Adressat*innen sozialpolitischer Programme und zu Professionellen des Sozialwesens auseinandersetzen.

Cfp Workshop FoKo Soziale Probleme

Dieser Workshop richtet sich insbesondere an Nachwuchsforschende. Der Austausch unter Forschenden, die zu ähnlichen Fragestellungen forschen und aus unterschiedlichen Sprachregionen stammen, soll gefördert werden. Die Veranstaltung wird einmal jährlich an wechselnden Orten aus den verschiedenen Regionen der Schweiz stattfinden. Das erste Treffen wird am Freitag, 11 September 2020, von 13h30 bis 17h30 an der Fachhochschule für Soziale Arbeit in Fribourg durchgeführt. Je nach Entwicklung der Coronavirus-Epidemie wird der Workshop per Videokonferenz stattfinden.

Inhalte

Die „soziale Frage” – also soziale Ungleichheit, Marginalisierung und Ausschluss – steht am Ursprung des soziologischen Denkens. Was in der Soziologie der Industriegesellschaft zunächst als Phänomen der Klassenherrschaft behandelt wurde, hat sich, über die Schichtungs- und Lebensstiltheorie, hin zum „Elend der Welt”, dem alltäglichen Leiden an und in der postindustriellen Welt entwickelt. Was sich im historischen Rückblick als fruchtbare Folge der konstanten Erweiterung soziologischen Wissens präsentiert, wird heute je nach nationaler Tradition mit unterschiedlichen Begriffen beleuchtet: Während in Frankreich die soziale Frage eher mit den Begriffen von Inklusion und Exklusion verhandelt wird, dominiert im angelsächsischen Raum das Konzept der ”underclass”. In der deutschen Diskussion zur Entstrukturierung versus Verfestigung von Armut und Arbeitslosigkeit tauchen nach der Idee der armutstypischen Lebenslage auch Begriffe wie die „Überflüssigen” oder die „Entbehrlichen” in dynamischen Marktwirtschaften auf. Im Fluchtpunkt aller dieser national verschieden gefärbten Ansätze befinden sich aber durchaus klassische Fragen der Soziologie: Welche Akteure gestalten diese politische Ordnung des Ein- und Ausschlusses und welche Wirkungen erzielen sie für verschiedene soziale Gruppen? Wie werden bestimmte soziale Arrangements diskursiv legitimiert und praktisch durchgesetzt? Unter welchen Umständen werden Ausschnitte der sozialen Ordnung in der Öffentlichkeit, der Politik und in der Wissenschaft überhaupt als „soziale Probleme” codiert? Insgesamt geraten so die sozialpolitisch angeleiteten Praktiken und deren Deutungen und Diskurse in der modernen Schweiz in den Blickpunkt von Beschreibung, Analyse und Theoriebildung. Ausgehend von dieser soziologischen Einbettung will das Forschungskomitee die Forschung über Genese, Gestalt und Bearbeitung sozialer Probleme inhaltlich, methodisch und theoretisch thematisieren und fördern. Dazu veranstaltet das Komitee jährlich einen Workshop und beteiligt sich an den nationalen Kongressen der SGS. Die Zusammenarbeit mit ähnlichen wissenschaftlichen Vereinigungen im In- und Ausland wird angestrebt (ISA, ESA, DGS, AISLF, ÖGS usw.).

Stichworte: Wohlfahrtsstaat, Sozialpolitik, Soziale Probleme, Soziale Arbeit, Devianz, Soziale Ungleichheit, Integration und Ausschluss, Marginalisierung, Armut.

Tätigkeit / Herausgeberschaft

  • Reihe „Schriften zur Sozialen Frage“ bei Seismo

Vergangene Veranstaltungen

  • Workshop „Social Policies in the face of transforming Labor Regimes“, SGS-Kongress, 10.-12. September 2019, Neuchâtel
  • Tagung „Verhärtung des Sozialstaats / Durcissement de l’Etat social“, 21./22. Juni 2018, Olten
  • Workshop „Sozialpolitik zwischen Gemeinwohl und Eigeninteresse“, SGS-Kongress, 21.-23. Juni, Zürich

Mitgliedschaft

Wenn Sie dem Forschungskomitees „Soziale Probleme“ beitreten möchten, schicken Sie eine Mail an problems@sgs-sss.ch.

Kontakt / Vorstand

problems@sgs-sss.ch

Vorstand:

Yann Bochsler
Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz, Muttenz

Martina Koch
Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten

Eva Nada
HES-SO, Haute école de travail social, Genève

Emilie Rosenstein
Département de sociologie, Université de Genève

Peter Streckeisen
ZHAW Soziale Arbeit, Zürich / Universität Basel