SOZIALE PROBLEME

Portrait

Der Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie (SGS) hat im Frühjahr 2002 auf Antrag von Angehörigen aus sechs Universitäten (UNIZH, UNIFR, UNIBAS, UNISG, UNIGE, UNIBE) und von fünf Fachhochschulen (FHSO, FHSG, FHLU, EESP, HSSAZ), die Gründung des Forschungskomitees „Soziale Probleme“ beschlossen. Das Forschungskomitee fördert die Vernetzung der soziologischen Forschung an den Universitäten, den Fachhochschulen und in den freien Büros. Es ist eine Austausch- und Entwicklungsplattform für all jene, die zu sozialen und sozialpolitischen Fragen in der Schweiz forschen.

Inhalte

Die „soziale Frage” – also soziale Ungleichheit, Marginalisierung und Ausschluss – steht am Ursprung des soziologischen Denkens. Was in der Soziologie der Industriegesellschaft zunächst als Phänomen der Klassenherrschaft behandelt wurde, hat sich, über die Schichtungs- und Lebensstiltheorie, hin zum „Elend der Welt”, dem alltäglichen Leiden an und in der postindustriellen Welt entwickelt. Was sich im historischen Rückblick als fruchtbare Folge der konstanten Erweiterung soziologischen Wissens präsentiert, wird heute je nach nationaler Tradition mit unterschiedlichen Begriffen beleuchtet: Während in Frankreich die soziale Frage eher mit den Begriffen von Inklusion und Exklusion verhandelt wird, dominiert im angelsächsischen Raum das Konzept der ”underclass”. In der deutschen Diskussion zur Entstrukturierung versus Verfestigung von Armut und Arbeitslosigkeit tauchen nach der Idee der armutstypischen Lebenslage auch Begriffe wie die „Überflüssigen” oder die „Entbehrlichen” in dynamischen Marktwirtschaften auf. Im Fluchtpunkt aller dieser national verschieden gefärbten Ansätze befinden sich aber durchaus klassische Fragen der Soziologie: Welche Akteure gestalten diese politische Ordnung des Ein- und Ausschlusses und welche Wirkungen erzielen sie für verschiedene soziale Gruppen? Wie werden bestimmte soziale Arrangements diskursiv legitimiert und praktisch durchgesetzt? Unter welchen Umständen werden Ausschnitte der sozialen Ordnung in der Öffentlichkeit, der Politik und in der Wissenschaft überhaupt als „soziale Probleme” codiert? Insgesamt geraten so die sozialpolitisch angeleiteten Praktiken und deren Deutungen und Diskurse in der modernen Schweiz in den Blickpunkt von Beschreibung, Analyse und Theoriebildung. Ausgehend von dieser soziologischen Einbettung will das Forschungskomitee die Forschung über Genese, Gestalt und Bearbeitung sozialer Probleme inhaltlich, methodisch und theoretisch thematisieren und fördern. Dazu veranstaltet das Komitee jährlich einen Workshop und beteiligt sich an den nationalen Kongressen der SGS. Die Zusammenarbeit mit ähnlichen wissenschaftlichen Vereinigungen im In- und Ausland wird angestrebt (ISA, ESA, DGS, AISLF, ÖGS usw.).

Stichworte: Wohlfahrtsstaat, Sozialpolitik, Soziale Probleme, Soziale Arbeit, Devianz, Soziale Ungleichheit, Integration und Ausschluss, Marginalisierung, Armut.

Tätigkeit

  • Reihe „Schriften zur Sozialen Frage“ bei Seismo

Mitgliedschaft

Wenn Sie dem Forschungskomitees „Soziale Probleme“ beitreten möchten, schicken Sie einfach eine Mail an die KoordinatorInnen (martina.koch@fhnw.ch und felix.buhlmann@unil.ch).

Kontakt

Prof. Dr. Felix Bühlmann
Université de Lausanne
felix.buhlmann@unil.ch

Dr. Martina Koch
Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz
martina.koch@fhnw.ch